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„Ganzheitlich“ -Mein Leben nach dem Krebs

Heute gibt es einen Gastbeitrag von der lieben Anika, die dem Krebs die Stirn bot und ihr Leben in eine neue Richtung gebracht hat.

Ich durfte in meinem bisherigen Leben viele Erfahrungen sammeln und nicht alle davon waren schön. Im Gegenteil, es gab sooo viele davon, die mir mein Sein hätten zur Hölle machen können.

Eine davon war der Blutkrebs, das Multible Myelom, an dem ich 2012/13 sehr litt. Es war eine sehr herzzerreißende, lebensverändernde und prägende Zeit. Sowohl während, als auch nach der Erkrankung erlebte ich die schwierigsten Hoch´s und Tief´s meiner bisherigen Lebenszeit. Mein Körper, meine Seele und mein Geist waren das reine Chaos. Mir fehlte Struktur und Stabilität in sämtlichen Bereichen. Alles veränderte sich. Doch irgendwie konnte ich das für mich auch als eine Bereicherung annehmen. Ich wollte nicht das Opfer sein.

Wer auch immer ein Schicksal, egal welcher Art, jemals durchgemacht hat weiß wovon ich spreche.

Was änderte sich nun? Die körperlichen Umstände in erster Linie. Ich bin ohnehin sehr schlank und zart gebaut, also hatte ich nicht viel Reserven. Aber ich war und bin erstaunt wie viel Willenskraft in mir steckt. Es hat sehr lang gedauert bis sich mein Körper wieder halbwegs im Gleichgewicht befand. 4 Jahre nach der letzten Chemotherapie und zwei Stammzellentransplantationen fühle ich mich nun dank gesunder Ernährung, Sport und Hormonersatztherapie endlich wieder als Frau. Ich kann Zärtlichkeiten wieder zulassen und mich sexy fühlen, trotz der vielen körperlichen Brandmale die hinterblieben sind. Es regt mich noch heute auf, dass so wenig in der Öffentlichkeit darüber gesprochen wird, was es für ein Paar bedeuten kann fast gänzlich auf alle ehelichen Belange verzichten zu müssen, weil es einfach nicht geht. Weil die Chemo nun mal nicht nur die kranken, sondern auch gesunden Zellen zerstört. Ich habe mit viel Geduld und Wissensdurst Wege gefunden wieder ein Gleichgewicht zu finden. Ich habe einen wundervollen Ehemann, der alles geduldig mit hinnahm und mit mir wuchs. Unsere Tochter brachte mit ihrer Art immer Sonnenschein in mein Leben und der christliche Glaube bot mir Halt. Nicole hilft mir auch heute noch, mit ihren mehr als wertvollen Tipps, meinen Körper wieder richtig gesund zu machen. Unser Ziel ist es Balance in allen Bereichen zu festigen und den Alltag zu entschleunigen.

Wir sind ein junges Ehepaar und wünschen uns sehnlichst ein zweites Kind, aber bitte natürlich.

Es ist alles eine Herausforderung, aber wir nehmen sie an.

Es gab viele Komponenten die mich ein Stück dem seelischen Abgrund näher brachten, aber es gab auch einige die mich viel weiter davon entfernten, sodass ich die Richtung wechseln konnte und nach vorn blickte. Ich musste mir Bemerkungen anhören, die mich sehr verletzten, nur weil ich mir viel Zeit nahm um langfristig wieder auf die Beine zu kommen. Aber die Menschen, die hinter mir standen und mir halfen überwogen Gott sei dank. Heute blicke ich optimistisch der Zukunft entgegen.

Es geht mir so gut, dass ich die Kraft aufbringen kann um mir über meine berufliche Situation Gedanken zu machen. Noch bin ich berufsunfähig, aber die Frist verstreicht. Ich will wieder am Leben teilhaben, für andere da sein und meine Geschichte als Perspektive weitergeben.

Heute setze ich meine Prioritäten anders. Es ist mir wichtiger ganzheitlich gesund und ausgeglichen zu leben und meine Familie mit Lebensenergie anzustecken. Freude und Freunde sind mir wichtiger als alles Geld. Und genau deshalb ist es mir so wichtig auch langfristig eine(n) Beruf(ung) zu finden in der ich aufblühen kann. Ich habe das Schreiben und Weitergeben für mich entdeckt, doch was stelle ich damit an? Es gibt plötzlich Leidenschaften und Glücksempfinden, wie ich sie früher nicht kannte. Wie kann ich das weiter geben? Es gibt noch viele Fragen, für die ich früher oder später eine Antwort haben werde.

Wer behauptet, das sich Menschen nicht ändern, der liegt mehr als falsch. Sowohl ich, als auch die Menschen um mich herum haben sich sehr wohl verändert, einfach weil es s
o sein sollte. Wenn man das nicht mal Bestimmung nennt!!!

Anika 

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